Katholische Pfarrgemeinde St. Mauritius
in der Kirchengemeinde Maria Frieden Kippenheim

Beschreibung und kurzer geschichtlicher Abriss zur Pfarrkirche St. Mauritius

(die Bilder wurden vor der letzten Renovierung aufgenommen)

Bis 1962 wurde die jetzige Evangelische Kirche von den Evangelischen und Katholischen Pfarrgemeinden in Kippenheim als Simultaneum genutzt. Nachdem geklärt war, dass die "alte" Kirche in den Besitz der Evangelischen Gemeinde übergehen würde, konnte 1958 ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben und 1961 mit dem Bau der neuen Katholischen Kirche begonnen werden. Diese wurde am 29.11 1964 von Weihbischof Karl Gnädinger geweiht. Den Text der im Grundstein eingemauerten Urkunde finden Sie weiter hinten.

Zunächst ein paar Zahlen: Die Kirche ist 38,60 m lang, die Breite beträgt am Eingang 16 m, an der breitesten Stelle 25 m, am Chor 14 m, mit Sakristei und Kapelle 32 m. Am Eingang ist die Kirche 9,5 m hoch, an der Chorwand 12,20 m, an der höchsten Stelle im Schiff 14,20 m. Der von der Kirche etwas abgesetzte Turm ist 31,5 m hoch, das Kreuz aus Eisenblech ist 5,5 m hoch und 9 Zentner schwer. Die Kirche hat im Schiff ca. 700 Sitzplätze.

Im Turm hängen drei Glocken. Die Mauritius-Glocke wiegt 25 Zentner, klingt in ‚es' und trägt die Inschrift: "Heiliger Mauritius, Patron unserer Pfarrgemeinde, beschütze uns". Die St. Joseph-Glocke wiegt 21 Zentner, klingt in ‚f' und ist mit der Inschrift versehen: "Heiliger Joseph, hilf in aller Not, in unserem Leben und im Tod". Die kleinste, die Schutzengel-Glocke, wiegt 12 Zentner, klingt in ‚as' und ist beschriftet mit "Heiliger Schutzengel mein, lass mich Dir empfohlen sein". Die Glocken wurden am 28. Februar 1967 in Heidelberg gegossen.

Die Kirche ist in mancher Hinsicht einmalig und ohne Vorläufer. Die Seitenwände des Schiffes verbreitern sich vom Eingang nach vorn und verjüngen sich in zwei Drittel der Länge zum Chor hin. Das Dach nimmt diese Bewegung auf, indem es zunächst ansteigt und sich dann zugleich mit der Verjüngung der Wände zum Chor hin senkt. Die Seitenwände des Schiffes sind ohne Fenster, der Lichteinfall im Schiff erfolgt durch ein in die Dachkonstruktion verlegtes Lichtband, das sich zu beiden Seiten des Chores in gewaltigen Fenstern nach unten senkt. Die Seitenwände der Kirche und des Turmes sind aus Tuffstein gemauert, Vorderfront der Kirche und Turm sind aus Sichtbeton. Als einzigen Schmuck hat die Eingangsfront ein in Sichtbeton gegossenes von Strahlen umgebenes Kreuz.

Die Dachkonstruktion besteht aus Eisenträgern, die sich von einer Seitenwand zur andern spannen, auf der linken Seitenwand befestigt, auf der rechten Seitenwand auf Rollen beweglich aufliegend, um bei Wind oder Schneedruck nachgeben zu können. Das ursprünglich ganz mit Kupfer gedeckte Dach ist nach einer Sanierung 1988 nun mit Kunststoff verkleidet.

Am Chor ist rechts die Sakristei angebaut. Die Seitenkapelle links wurde ursprünglich als Marienkapelle eigens für die Muttergottesstatue aus dem Jahre 1450 gebaut. Die Statue befindet sich jetzt im nachträglich errichteten Hochaltar. und die Kapelle ist heute eine Sakramentskapelle. Der ganze Chor ist unterkellert für eine Krypta.

Der Boden der Kirche ist aus italienischem Schiefer, die Bänke aus Limba-Holz, Decke und Chorwand aus nordischer Fichte, die Altäre aus südfranzösischem Marmor. Die Holzverkleidung der seitlichen Decken und Vorderfronten erfolgte anlässlich der Renovation 1988. - Nach der Renovation 2004 (der Altar wurde auf eine Zunge vom Chorraum mehr ins Zentrum der Kirche und des Volkes gerückt) wurde die Vorderfront weiß verkleidet.

Stark ist der Raumeindruck, den der Besucher beim Eintritt in die Kirche erhält. Durch den weit ausholenden Schwung der Wände und der Decke erhält er den Eindruck der Weite und zugleich des Umfangenwerdens und Geborgenseins. Die leuchtend farbigen Glasfenster ergeben mit der hellen Holzdecke, die sich über die ganze Chorwand herunterzieht, dem Fußboden aus schwarzem Schiefer, den Bänken, die auf schwarzen Eisengestellen über dem Boden zu schweben scheinen, dem Altar aus weißgeflammtem schwarzem Marmor und der gesamten Innenausstattung eine wunderbare Harmonie zu der architektonischen Konzeption. Erreicht wurde diese Harmonie vor allem dadurch, dass der Architekt auch die ganze Innenausstattung der Kirche bis in die Kleinigkeiten alle selber entworfen hat.

Die herrlichen Farbfenster, die immer wieder besondere Beachtung finden, sind entworfen von Kunstmaler Dewald, Karlsruhe, von dem auch der Entwurf für das Sichtbetonkreuz an der Eingangswand, sowie für die in Beton mitgegossenen Symbole der ehemaligen Taufkapelle stammt. Die Fensterstreifen am Eingang zeigen unterhalb der Empore in der ehemaligen Taufkapelle die Taufe des Hl. Mauritius und seiner Gefährten durch den Hl. Erasmus, auf der anderen Seite wird der Märtyrertod des Hl. Mauritius und seiner Gefährten dargestellt. Oberhalb der Empore sind die Fensterstreifen wie auch das Lichtband in der Decke ohne Symbole, nur farbig auf den Raum der Kirche abgestimmt. Das linke Chorfenster zeigt den Lebensbaum aus der Geheimen Offenbarung des Hl. Johannes, Kap. 22, 1-5. Das Leben wird dargestellt als Baum, der "steht zwischen dem Fluß und dem Weg". "Der Fluß geht aus vom Throne Gottes und bringt dem Baum neues Leben", das wir in der Taufe erhalten. Auf dem Weg der Kampf zwischen Schlange und Adler, zwischen Leben und Tod, im natürlichen wie im übernatürlichen Sinne. "Der Baum bringt zwölfmal im Jahre Frucht" - das ganze Jahr hindurch sollen wir Frucht bringen für die Ewigkeit, gute Werke verrichten. Im Baum nisten die Vögel des Himmels. Wie die Vögel sich immer wieder zum Himmel erheben, so soll unsere Seele sich immer wieder im Gebet zu Gott erheben.

So geht der Blick vom linken Chorfenster über den Hochaltar weiter zum rechten Chorfenster, dem "Himmelsfenster". Der Himmel ist dargestellt als leuchtender strahlender Kreis, in dem das Lamm Gottes (Christus) thront. Darunter die zwölf Tore des himmlischen Jerusalem, durch die wir in die Herrlichkeit Gottes eingehen dürfen.

Die Fenster der ehemaligen Marienkapelle stellen symbolisch einige Anrufungen aus der Lauretanischen Litanei dar: die geheimnisvolle Rose, den starken Turm Davids, den Morgenstern, die Königin des hl. Rosenkranzes, die Königin des Friedens. Der Entwurf für den vielbeachteten Tabernakel, der jetzt in der Sakramentskapelle steht, stammt von Schwester Astrid vom Kloster der Franziskanerinnen vom göttlichen Kinde Jesu in Würzburg-Oberzell, die den Tabernakel auch gefertigt hat. Ohne symbolische Darstellung fasst der Tabernakel in Zellemaille noch einmal die Farben der Chorfenster zusammen und bildet so einen kostbaren Aufbewahrungsort für das Allerheiligste. Der Tabernakel ist gestiftet worden und wurde durch H. Stadtpfarrer Heß, Offenburg, am 7.4.1963 geweiht.


Der Blick geht auch zum Kreuz vor der Chorwand. Der über 2 m große Kruzifixus (bedeutet "der Gekreuzigte") stammt aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts, der Künstler ist leider nicht bekannt. Dieses aus tief religiösem Geist geschaffene Kreuz fesselt den Blick. Der Hochaltar enthält Bilder aus der Schule Martin Schongauers. Die Bilder zeigen links Jesu Geburt und auf der Rückseite Mariä Verkündigung; auf der rechten Seite die Anbetung der Hl. drei Könige und auf der Rückseite, nur teilweise erhalten, Mariä Heimsuchung. Diese Bilder sind Teile eines früheren Flügelaltares, von dem aber außer der Marienstatue sonst kein Stück mehr bekannt ist. Im Altar selbst finden sich als Nachbildungen links der Hl. Mauritius und rechts vermutlich Papst Gregor.

Die großen Bilder aus der Schule Hans Baldung Griens, von etwa 1520, gehörten wohl zum gotischen Hochaltar vor dem Brand der "alten" Kirche 1677.

 

Die Patrone der Kirche:

Kirchenpatron ist der hl. Mauritius, wie bei allen bisherigen Kirchen Kippenheims. Schon im Jahre 1007 ist dieser Heilige als Kirchenpatron genannt.

Der hl. Mauritius war der Anführer der thebäischen Legion aus der Landschaft Thebais in Ägypten. Die ganze Legion war christlich. Der hl. Mauritius und manche seiner Soldaten waren vom hl. Bischof Erasmus getauft. Unter den Kaisern Maximian und Diocletian sollte diese Legion nach Gallien, um dort einen Aufstand niederzuwerfen. Auf dem Wege dorthin wurde die Legion bei Agaunum (heute St. Maurice), südöstlich des Genfer Sees an der Rhone, aufgefordert, den römischen Göttern zu opfern, um den Sieg zu erflehen. Als Christen lehnte die Legion dieses Ansinnen ab. Als auch eine Dezimierung (jeder 10. Mann wurde getötet) keine Sinnesänderung erbrachte, wurde die ganze Legion mit ihren Führern Mauritius Exsuperius und Candidus niedergemacht; und zwar am 22. September zwischen 298 und 300, das genaue Jahr ist nicht bekannt. Schon bald wurde am Ort des Martyriums eine Kirche, um 515 ein Kloster erbaut, das den Namen St. Maurice trägt. Diese Abtei war im Mittelalter eines der bedeutendsten Klöster und noch heute hat der Abt als besondere Auszeichnung des Klosters zugleich die Bischofsweihe und ist Gebietsbischof.

Nebenpatrone der Kirche sind, wie schon in der alten Kirche, die Muttergottes und der hl. Blasius. Schon immer wurde die Muttergottes Maria in Kippenheim besonders verehrt. Davon zeugen die ehemalige Skapulierbruderschaft, die schon im 15. Jahrhundert bestand, die Muttergottesdarstellungen auf zwei alten Glocken von 1414 und 1454, die Muttergottesstatue von 1450, die Marienbilder aus der Schule von Schongauer von 1480, die früheren Altarbilder von Hans Baldung Grien von 1520 (Mariae Tod und Mariae Himmelfahrt), das barocke Altarbild "Mariae Himmelfahrt", die Errichtung des Marienbrunnens 1721, die Immaculata-Statue von 1769 sowie die Erbauung der Kapelle Maria-Frieden 1946/47.

Der hl. Blasius war Bischof von Sebaste in Kleinasien und starb als Märtyrer um 316. Er zählt zu den 14 Nothelfern. Sein Fest ist am 3. Februar. Als der Heilige in der Christenverfolgung von seinem Bischofsitz vertrieben war, lebte er einige Zeit in der Einsamkeit. Als er gefangen im Kerker war, brachte eine Frau ihm heimlich Speise und Licht (daher die Darstellung mit den Kerzen). Als der Knabe dieser Frau beim Essen eine Fischgräte verschluckte und dem Ersticken nahe war, eilte die Frau mit dem Knaben auf den Armen in den Kerker zum hl. Bischof Blasius, der durch seinen Segen den Knaben heilte und rettete.

Der hl. Blasius ist seit alters Patron der Kapelle von Kippenheimweiler, das immer schon zur Pfarrei Kippenheim gehörte. Daher war der hl. Blasius schon immer zugleich Nebenpatron der Kippenheimer Pfarrkirche.

 

Der Text der Grundsteinurkunde (auf Pergament geschrieben von Schwester Immolata vom Kloster Gegenbach):

Im Namen der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Im Jahre des Heiles 1961, am 24. September, als nach Gottes Vorsehunq unser Heiliger Vater Papst Johannes XXIII. im 3. Jahre das Schifflein Petri lenkte, als Erzbischof Dr. Hermann Schäufele im 4. Jahre das Steuer der Erzdiözese Freiburg führte, als Dr. Ernst Föhr Generalvikar und Karl Gnädiger Weihbischof waren, als Pfarrer Rudolf Dauß in Sulz als Dekan das Kapitel Lahr verwaltete, als Pfarrer Eduard Neckermann die Pfarrei Kippenheim mit den Filialen Kippenheimweiler und Schmieheim leitete, als Dr. Heinrich Lübke Bundespräsident und Dr. Konrad Adenauer Bundeskanzler der Deutschen Bundesrepublik waren, als Anton Fritschmann als Bürgermeister die Geschicke der Gemeinde Kippenheirn lenkte, wurde der Grundstein für die neue katholische Kirche in Kippenheim geweiht und in großer Freude der Pfarrgemeinde gelegt. Zur größeren Ehre unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus zu Ehren des Hl. Mauritius, der Muttergottes und Königin Maria und des Hl. Blasius, denen schon die bisherige Kirche in Kippenheim geweiht war.

Die im 15. Jahrhundert erbaute gotische Kirche diente seit Jahrhunderten der katholischen und der evangelischen Konfession als Gotteshaus und war zum größten Teil gemeinsames Eigentum beider Konfessionen. Dieses Simultanverhältnis wurde nach jahrelangen Verhandlungen am 1. Februar 1961 aufgelöst und die katholische Pfarrgemeinde baut nun dieses eigene Gotteshaus, das in seiner Größe den Erfordernissen genügt. Dabei werden die Statuen und Bilder aus der bisherigen Kirche, vor allem wertvolle gotische Bilder und Statuen, bis auf ein gotisches Bild in die neue Kirche übernommen.

Die Pläne für diese Kirche fertigte Architekt Otto Heß von Karlsruhe. Die Bauleitung liegt in Händen des Architekten Wilfried Gnädig von Kippenheim. Die statische Berechnung stammt von Dipl. Ing. Kurt Gündner von Kippenheim. Die Bauarbeiten hat die Firma Alfred Stulz von Kippenheim übernommen.

In Anerkennung der vorbildlichen Opferbereitschaft der Pfarrgemeinde hat die Kirchenbehörde einen Zuschuss in Höhe von 700.000,- DM gewährt und damit in dankenswerter Weise den größten Teil der Baukosten übernommen.

Es freut sich über die Gnade, dem Dreieinigen Gott einen würdigen Tempel bauen zu dürfen der Pfarrer der Gemeinde, der in väterlicher Sorge neben der Kirche bereits einen neuen Kindergarten mit Schwesternhaus und Gemeindesaal gebaut hat und gleichzeitig mit diesem Kirchenbau ein neues Pfarrhaus erstellt. Es freut sich der Kath. Stiftungsrat, der in enger Zusammenarbeit mit dem Pfarrer die Last und Sorge des Neubaues trägt. Es freuen sich die 1650 Katholiken der Pfarrgemeinde, die nun endlich ein eigenes Gotteshaus haben werden.

Dem frommen Beginnen möge Gottes Güte ein glückliches Ende verleihen und unsere Schutzheiligen mögen dazu helfen. Das neue Gotteshaus möge vor allen Feinden sicher sein, es möge Jahrhunderte überdauern, es sei ein Zeugnis unseres Glaubens und der unwandelbaren Treue zu Christus und seiner Kirche, eine Quelle göttlicher Gnade und übernatürlichen Lebens, ein Unterpfand und der Anfang unvergänglicher ewiger Glückseligkeit.

Katholische Pfarrgemeinde St. Mauritius · Bahnhofstraße 32 · 77971 Kippenheim · 07825 / 7119